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Unbedingt lesen

Mit schlechtesten Grüßen

Nichts wird so leichtfertig in die Welt geworfen wie ein Gruß. Jede klitzekleine, bedenkenlos dahingeschriebene Mail enthält einen - und sei es nur aus Gründen der Höflichkeit. Doch warum versehen so viele Menschen inzwischen ihre Gedanken, Forderungen und Fragen mit „besten Grüßen“?
Auf den ersten Blick ist an dieser Freundlichkeitsformel nichts auszusetzen. Sie scheint ja nur eine ausdrucksstärkere Variante der „freundlichen Grüße“ zu sein. Supersuperlative machen es im Leben ja stets einfacher. Vielleicht ist die Anwendung dieser neuen Leerformel eine Reaktion darauf, dass die „herzlichen Grüße“ doch etwas zu persönlich geworden sind. Man will ja nicht gleich mit Arial-Buchstaben umarmen.

In Netzforen machen sich unzählige Menschen verzweifelt Gedanken darüber, was sie ihrem Chef unter die Dienstmail klemmen, wie der Professor gegrüßt werden sollte oder was der Hausarzt gerade noch ziemlich finden könnte, um beim nächsten Mal vielleicht einen früheren Sprechstundentermin anzubiete…

Entweder - Oder

VS.
Tag oder Nacht
Eule oder Lerche
Weniger oder Mehr
BILD oder Schrift
FAZ oder Süddeutsche
DC oder Marvel
Gut oder Böse
Lachen oder Weinen
Fahren oder Gehen
Schreien oder Flüstern
Klavier oder Geige
Erster oder Letzter
Trocken oder Nass
Zu Dir oder Zu mir
Mann oder Frau
Steif oder Schlaff
Schlüssel oder Schloss
Beatles oder Stones
MP3 oder Schallplatte
Blau oder Rosa
Hoch oder Tief
Gebirge oder Meer
Süß oder Salzig
Ketchup oder Mayo
Cola oder Pepsi
Vanille oder Schokolade
Jacke oder Hose
Schlips oder Fliege
Pyjama oder Nackt
Tintenstrahl oder Laser
Rein oder Raus
Mann oder Maus

Vorne stehen

Wer vorne steht, ist immer Chef. Nur wer in der Lage ist, vorne zu stehen, kann Chef sein. Wer erst einmal Chef geworden ist, muss vorne stehen bleiben - egal, was passiert. 
Chef zu sein bedeutet:
Türen stets offen zu halten; als erster Antwort zu geben; Verantwortung bedingungslos zu übernehmen; sich im Konfliktfall immer erst vor seine Mitarbeiter zu stellen; in unruhigen Zeiten für alle sichtbar die Ruhe zu bewahren; als erster zu kommen - als letzter zu gehen; Freundlichkeit nicht nur als Herzensgüte zu verstehen, sondern auch als professionelle Haltung an den Tag legen zu können; Probleme bereits zu antizipieren, bevor sie entstehen; Lösungsvorschläge nur dann zu äußern, wenn sie auf Überzeugung beruhen; bei Entscheidungen eine für alle Umstehenden klare Linie zu verfolgen; eigene Fehlurteile laut und deutlich zu benennen und daraus zu lernen; niemals eigene Fehlleistungen anderen Mitarbeitern anzulasten; Flexibilität nicht nur einzufordern, sondern selbst vorzuleben; Personal- u…

Lektionen der Liebe

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Als ich jungen Jahren nicht weiter wusste, schenkte mir mein Großvater ein Buch von Erich Fromm: „Die Kunst des Liebens“.
In meinen Träumen hatte sich ein bleichzartes Mädchen um meinen Hals geschlungen und wollte sich auch nicht mehr aus den Schattenspielen der Nacht vertreiben lassen. Meine erste bittersüße Lektion der Liebe: Die Idee von Amor mit den Pfeilen ist kein schlechter Witz. Der Wundschmerz resultiert aber daraus, dass man keinen blassen Schimmer hat, warum das Herz eben genau für jene eine zu pochen beginnt. Und dann will diese Pfeilnarbe auch ein Leben lang nicht mehr heilen.

Die nächste Lektion kam von Psychoanalytiker Fromm. Ich habe sie - genau wie die erste - nie wieder vergessen. Schon mit den ersten Zeilen seines berühmtesten Buchs, „Die Kunst des Liebens“, legte er mir einen Gedanken nahe, der mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal im Albtraum gekommen war: Menschen können unfähig zur Liebe sein, unfähig zur Liebe werden.
Eine ungeheuerliche, radikal von jeder …

You Can't Get What You Want

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Sometimes you start feelin' 
So lost and lonely 
Then you'll find 
It's all been in your mind 

Sometimes you think 

Someone is the one and only 
Can't you see It could be you and me? 
But if there's any doubt 
Then I think I'll leave it out 

'Cause I'll tell you one thing 

You can't get what you want 
Till you know what you want 
Said, you can't get what you want 
Till you know what you want? 

Sometimes you keep busy 

Reaching out for something 
You don't care 
There's always something there 

Sometimes you can't see 

That all you need is one thing 
If it's right, you could sleep at night 
But it can take some time 
But at least I'm here in line 

Cause I'll tell you one thing 

You can't get what you want 
Till you know what you want 
Said, you can't get what you want 
Till you know what you want 


Über dem Nadelöhr

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Dein entsetzter Blick, als du sahst, dass dein Pullover längs deiner Schulter einfach so aufgerissen war. Schlechter Stoff, schlecht verarbeitet, dachte ich. 

Doch nachdem du für einen Moment die Beherrschung verlorst (und ich vermutete, dass du das Teil nun in die Ecke pfeffern, es vielleicht sogar direkt in den Mülleimer befördern würdest), schnapptest du dir Nadel und Bindfaden und machtest dich  mit konzentriertem Blick daran zu schaffen. 
Ich setzte mich neben dich und schaute dir, still und beinahe ohne zu atmen, dabei zu, wie du die hauchdünne Schnur in den Fetzen deiner Bluse zum Verschwinden brachtest. Hinein, schnell durchgezogen, festgezurrt, zurück. Noch einmal. Und noch einmal. Bis sich kaum noch sagen ließ, dass dort einmal ein Loch, ein Nichts gewesen ist. 
Die Minuten vergingen und du sagtest kein Wort. Als du dein Werk vollbracht hattest und weniger mit Stolz als vielmehr mit dem Gefühl, das Notwendige getan zu haben, zurück hinein in dein Kostüm schlüpftest, kam ich für…

Pssst!

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Es gibt keine Geheimnisse mehr auf dem Platz! Fußball ist längst eine vollüberwachte Sportart geworden. Kein Detail entgeht den Kameras - und es ist nur den manchmal doch umsichtigen Regisseuren am Schaltpult zu verdanken, dass nicht wesentlich mehr Szenen während einer TV-Übertragung aufscheinen, die das entrückte, gar animalische Verhalten mancher Kicker ins Rampenlicht stellen, denen das Adrenalin während einer Partie die Gehirnwindungen zudrückt.
Aber der Fußball ist eben auch eine theatralische Angelegenheit. Es wird auf und neben dem Rasen geschimpft, gelacht, gespottet, getäuscht, grimassiert, geweint, gejubelt, gerotzt, wachgerüttelt, angetrieben und provoziert. Und weil nicht nur Kameras und Mikrofone für ein gespenstisches Überwachungsregime sorgen, sondern Lippenleser ihre Liebe für das Lederspiel entdeckt haben, sprechen die Protagonisten auf und neben dem Grün nur noch hinter vorgehaltener Hand.


Ein irrwitziger Anblick. Aber auch eine verräterische symbolische Geste. De…

(I Can't Help) Falling In Love With You

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Die Musikgeschichte schäumt über vor Love Songs mit unvergesslichen Zeilen. Auch nur ein paar zu nennen wäre ungerecht gegenüber all jenen, die man vergisst oder aus trotzigen Gründen ignoriert.
Doch die schönsten Zeilen, die jemals in einem Liebeslied zu hören waren, stammen aus dem von George David Weiss, Luigi Creatore und Hugo Peretti für Elvis Presley geschrieben „(I Can't Help) Falling In Love With You“:
„Take my hand, take my whole life too For I can't help falling in love with you.“ Die sich ineinander schließenden Hände, die zarte Begegnung, die keinesfalls ohne Folgen bleibt. Plaisir d’amour (wie die französische Melodievorlage von Jean-Paul-Égide Martini zu dem Song heißt), reine Freude an der Liebe - nimm mich so, wie ich bin.
Mit nur einer Berührung schlagen zwei Herzen in einem Takt und zugleich wird sichtbar: Liebe bedeutet Verantwortung. Der Liebende bekommt die Lebensgeschichte eines anderen Menschen überreicht, auf dass er sie schätze und ehre. Ohne sie gäb…