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Unbedingt lesen

Kakerlaken glotzen

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Eine ganze Nation wärmt sich am Fernsehlagerfeuer, wenn RTL alljährlich „Ich bin ein Star - holt mich hier raus!“ sendet. Die Sendung ist Reality-TV in Anführungszeichen und echtes Meta-Fernsehen. Dass es sich um einen harmlosen Spaß ohne Folgen handelt, ist allerdings ein gefährlicher Irrtum.


Warum nur berichten so viele geradezu ekstatisch vom RTL-Dschungelcamp - gibt es nicht wichtigere Themen, die dieses Land bewegen? Sicher gibt es die. Aber der Erfolg dieses eigenartigen Sendeformats ist, dass es trotz Mediantamtams massiv unterschätzt wird. Eigentlich sollte man annehmen, dass es sich hier um einen weiteren Tiefpunkt in der nach unten offenen Skala des Selbstentwürdigungstheaters handelt, das die Privaten und besonders RTL seit Jahren kultivieren. Aber das wäre zu einfach.
Längst wärmt sich eine ganze Nation an diesem Fernsehlagerfeuer. In der Spitze sehen bis zu 9 Millionen Menschen dem bunten Treiben im australischen Regenwald zu. Oder ist es doch nur ein gigantischer Contai…

Auf der Jagd nach dem weißen Kaninchen

Individualität ist der Götze unserer Zeit. Kaum etwas wird weniger hinterfragt, als der Wunsch, sich selbst zu verwirklichen. Dabei unterliegt die Bedeutung des Ichs im Vergleich zur Gruppe in der beschriebenen Geschichte der Menschheit seit jeher starken Schwankungen. Noch immer sorgten Naturgewalten oder die natürliche Gewalt der Wissenschaften dafür, dass das eigentlich auf gesichertem Fundament errichtete Selbst- oder Kollektivbewusstsein wieder zurechtgefaltet wurde. Auch wenn der Zersetzungsprozess in verschiedenen Teilen der Welt mit unterschiedlicher Härte und Geschwindigkeit stattfindet.


Eine Konstante darf aber als gesichert gelten: Technische oder mediale Wandel gingen stets mit einem Auftrieb des Ich-Bewusstseins einher.
Das Internet sorgt mit seiner Vernetzung der Weltbevölkerung für den wohl tiefgreifendsten Antrieb eines neuen, schrankenlosen Individualismus'. Jeder kann sich, zumindest theoretisch, präsentieren, wie er möchte. Fast alles - auch Verbotenes - ist ve…

Abgelehnt

Nun, nach dem tiefen Fall von SPIEGEL-Schönschreiber Claas Relotius, sollte man für einen sentimentalen Moment an all jene Geschichten denken, die von Blattmachern und Chefredakteuren der Vergessenheit überantwortet wurden, weil sie nicht genügend spannend, emotional und sexy waren.

Spielverderber

Vielleicht ist die Geschichte vom großen technischen Fortschritt, der die Menschen auf eine neue Stufe der Evolution hebt, doch großer Unsinn. Man denke nur einmal an die Entwicklung der Videospiele. Nach dem Tic-Tac-Toe-Programm „OXO“ in den 50er-Jahren ging es technisch, ästhetisch und vor allem narrativ immer weiter bergauf. Die Grenzen schienen lange Zeit nach oben offen. Der Fokus lag dabei stets darauf, das Leben oder die Künste zu imitieren und playable zu machen.


Videospiele sind DAS Medium einer Welt, in der die Simulation der Realität gleichwertig gegenübersteht oder sie, die Poststrukturalisten haben es natürlich als erste geahnt, sogar überholt hat. Open World. Virtual Reality. Unendliche Spielzeit. Games werden mit Geldsummen produziert, die jeden Hollywood-Film in den Schatten stellen. Auch bei den erzielten Gewinnen. Sie sind, nüchtern und ökonomisch betrachtet, das relevanteste Kulturgut unserer Zeit.
Aber: Wie lässt sich erklären, dass viele keine Lust mehr haben, …

Yes, I'm Your Angel

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John Lennon und Yoko Ono hatten einander als Paar gegenseitig von den Schatten der Vergangenheit befreit (wozu für Lennon auch die Beatles gehörten).
Sie lachten gemeinsam, lasen gemeinsam, aßen gemeinsam und liebten sich vor den Augen der Welt. Allem Anschein nach hatten sie auch eine sexuell ausgesprochen erfüllende Beziehung.
Warum traf diese Liebe auf so viel Unverständnis, gar Hass bei den Menschen, die John Lennon doch einst ins Herz geschlossen hatten? Viele akzeptierten und verehrten ihn weiter als Musiker, doch den Ehemann und Liebhaber John Lennon verachteten sie. Oder seine Frau. Oder das eigenartige, magische Band zwischen den beiden.
Den Menschen war die infantile Vision der Beatles wichtiger als die reife Liebe eines Künstlerpaars.

Amore

Liebe ist das Banalste auf der Welt. 
Zu lieben ist das Komplexeste, das sich vorstellen lässt.