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Unbedingt lesen

Glücksblicke

In der Schulzeit halfen manchmal ganz unschuldige Augen-Blicke über das Unbehagen hinweg, ohne Sinn und Verstand Lebenszeit zu verschwenden. Im Unterricht wanderte die Aufmerksamkeit von der wabernden Wissensmasse zu dem Augenpaar hinüber, das gegenüber nach einem Gleichgesinnten Ausschau hielt. Oder zufällig sich einladen ließ. 



Gefunden, einander begrüßt. Mit einem Lachen, das gleichsam einen lichtdurchfluteten Ausweg aus dem Bildungsgefängnis wies und für einen Moment den geradezu elektrisierenden Ausbruch aus dem Alltag sogar zur Möglichkeit erklärte. Ein beliebig wiederholbares Glück, das sich im Grunde mit jedem teilen ließ, der sich auf dieses Spiel einlassen wollte. Kommunikation, zwecklos und schön.
Doch mit Überwindung der Schulmauern verblasste diese ganz eigene, selbstverständliche Lachkultur. Sie fand keine Fortführung mehr. Jedenfalls keine, die nur dieses einfache Wohlbehagen, diese Schicksalsflucht will. Stattdessen Lachen mit Vorzeichen: Albernheit, Witz, Flirt, Un…

Abenteuer in der Welt der Wissenschaft

Als ich noch ein Pimpf war, sammelte ich „Projekt X“-Hefte. „Abenteuer in der Welt der Wissenschaft“ stand auf den Pappschubern, in denen sich neben einigen Sammelblättern für einen Ordner auch Poster, Bastelbögen und so manch andere Gimmicks befanden. 
Alle 14 Tage erschien eine neue Ausgabe, immer mit einem anderen Thema. Darunter gab es solch weitläufigen Kategorien wie „Unsere Ozeane“, „Licht“, „Sport und Fitness“, „Wetter“ oder „Kriminalität“. Man fantasierte sich mit dem Heft aber zuweilen auch „Ins Unbekannte“. 
Erschienen war die Reihe bei Marshall Cavendish in Hamburg, das in den 90er-Jahren viele großartige Sammelserien herausgab, darunter „Im Reich der Urwesen“ (das mich das erste und möglicherweise letzte Mal dem Fantasy-Genre näher brachte), „Faktor X“ (das meine durch „Akte X“ geweckte Leidenschaft fürs Unerklärliche vorzüglich bediente), sowie „Im Herzen der Klassik“ (das mir zeigte, dass es Gebiete gibt, die möglicherweise im Leben selbst bei besten Absichten nicht hi…

Writing To Reach you

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Hör' dir alle Alben von Travis an, sagtest du zu mir. Sie hätten dein Leben verändert, dir einen neuen Soundtrack für den oft trübseligen Alltag geschenkt.
Ich weiß nicht mehr, ob du es mir wirklich so erzähltest, aber ich erinnere mich so daran: Travis seien eine Band für die kleinen Leute, die still träumen und anderen nichts zu Leide tun. Musik für jene, die ein Päckchen durchs Leben zu tragen haben, auch wenn sie nicht einmal wissen, von wem sie es aufgetragen bekamen und warum sie es mit sich führen müssen. Du vertrautest mir auch an, dass du vor den Menschen mit hohen Ambitionen immer schon zurückgeschreckt bist, auch wenn dir nicht klar war, warum.
Als ich „The Man Who“, „The Invisible Band“ und „12 Memories“ verfallen war (alles, was später kam, das gebe ich gerne zu, berührte mich nicht mehr sehr, auch das hemdsärmelige Debüt, „Good Feeling“ ist nichts für mich), vertraute ich dir an, wie sehr mich diese Songs bewegten, auch aus den Gründen, die du mir nanntest. 
Besesse…

Zwei Arten: Erkältete

Von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet, gibt es nur zwei verschiedene Arten von Erkälteten.
Der eine weiß, dass für ihn nun einmal wieder die Welt untergeht. Er zieht sich still in sein Kämmerlein zurück und fürchtet, dass sich aus dem Hüsteln recht schnell eine Lungenentzündung entwickeln könnte. Wenn er sich einmal aus seiner selbst geschaffenen Höhle aus Papiertaschentüchern und Medikamentenfläschchen befreit, teilt er jedem Menschen, der sich in seine Nähe traut, sofort mit, dass er höchstwahrscheinlich die nächsten Tage nicht überleben wird.



Der andere ist eigentlich gar nicht krank, zumindest behauptet er es mit triefender Nase und heiserer Stimme. Am Arbeitsplatz, der natürlich keinen einzigen Tag verlassen wird (um freigiebig auch andere Menschen mit Bazillen zu beglücken), findet sich allerdings eine kleine Apotheke - vornehmlich um zu zeigen, dass man die lästige, aber vollkommen bedeutungslose Erkrankung natürlich im Griff hat.

Kummer

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Der Entscheidungsspieler

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Kaum ein Spieler beim FC Bayern München hat die erfolgreiche Ära der letzten Jahre so sehr geprägt wie Arjen Robben. Mit seinem unvergleichlichen Tempospiel und einem fast unheimlichen Ehrgeiz machte er mehr als einmal den Unterschied aus. Nun verabschiedet sich der Niederländer nach einer erneut langwierigen Verletzungszeit aus München, um seine Karriere bei einem anderen Verein ausklingen zu lassen. Einen wie ihn findet der FC Bayern nicht so schnell noch einmal. Denn Spieler mit seinem Temperament sind im Fußball rar geworden.  Es gibt Fußballspieler, die auch aus einer Entfernung von mehreren hundert Metern sofort wiedererkannt werden können. Sie bewegen sich auf eine ganz eigenständige, man möchte fast sagen magische Art und Weise über den Platz. Sie preschen druckvoll über den Rasen - wie Cristiano Ronaldo. Sie hüpfen von einem Gegner zum nächsten, den Ball am Fuß, als würde er von einem Magneten angezogen - wie Lionel Messi. Oder sie dribbeln wie ein ehrgeiziges Kind, das es j…

Atemlos

Dieses Gefühl, kurz bevor die Narkose einsetzt. Der Körper ist elendig schwer geworden, da pumpt etwas durch die Venen, ein leichtes Kribbeln, das in den Beinen beginnt und sich plötzlich in den Kopf zu fressen droht. Keine Luft mehr. Schwarz.



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Als kleiner Junge sprang ich gerne ins Bett und hob die Decke wohlig über meinen ganzen Körper. Versteckt. Versunken. Eingehüllt. Irgendwie im Weltall oder am Meeresgrund oder in einer Höhle – stellte ich mir vor. Und wartete, bis die Luft immer stickiger wurde, sich verzog, sich nur noch schneidend eng in die Lungen pressen ließ. Keine Puste mehr. Dann, das Gesicht schnell unter einem Deckenspalt ans Licht gerettet; kühler, gütiger Sauerstoff. Wie oft habe ich dieses Spiel gespielt.

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Die Vorstellung, im Restaurant zu sitzen und plötzlich schneidet eine Fischgräte so groß wie ein Hühnerknochen ins hauchdünne Halsfleisch. Röcheln, ächzen. Keine Luft mehr. 
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Immer den Finger auf der Öffnung einer Cola-Dose. Es könnte ja unbemerkt eine …

Lösungen

Alle großen Probleme der Menschheit resultieren aus Unkenntnis der Gesetzlichkeiten der Psychologie und Ökonomie.